Grundlagen der Außenvoliere

Ist die Entscheidung für eine Außenvoliere gefallen, geht es an die Details, die später den Alltag bestimmen. Schutzhaus, Flugraum, Schleuse, der passende Besatz und der Umgang mit der kalten Jahreszeit sind zentrale Bausteine einer funktionierenden Volierenhaltung.

Die folgenden Artikel bündeln mein Wissen: praxisnah, erprobt und mit Blick darauf, was sich langfristig bewährt hat und worauf man besser gleich achtet.

Der Flugraum einer Außenvoliere

Funktion und Bedeutung des Außenbereichs

Der Flugraum ist das Herzstück jeder Außenvoliere. Hier findet der Großteil der Bewegung statt, hier werden Flugstrecken genutzt, soziale Interaktionen ausgelebt und Umweltreize wahrgenommen. Größe, Struktur und Wetterschutz des Außenbereichs haben direkten Einfluss auf Gesundheit und Verhalten der Vögel.

Ein gut geplanter Flugraum bietet nicht nur möglichst viel freie Flugfläche, sondern auch Rückzugsmöglichkeiten, unterschiedliche Ebenen und geschützte Zonen. Entscheidend ist dabei weniger die optische Gestaltung als eine sinnvolle Kombination aus Offenheit, Struktur und Schutz.

Größe und Proportionen

Grundsätzlich gilt: Je größer der Flugraum, desto besser. Lange Flugstrecken sind wichtiger als zusätzliche Breite, da sie dem natürlichen Bewegungsbedürfnis der Vögel eher entsprechen. Der Außenbereich sollte so dimensioniert sein, dass die Tiere mehrere Flügelschläge am Stück ausführen können.

Dabei ist zu bedenken, dass der Außenbereich keinen zusätzlichen Freiflug ersetzt. Alle Bewegungsmöglichkeiten müssen innerhalb der Voliere selbst stattfinden.

Strukturierung des Flugraums

Ein sinnvoll strukturierter Flugraum besteht nicht nur aus leerem Raum. Sitzäste, erhöhte Bereiche, teilgeschützte Zonen und offene Flugbahnen sollten sich abwechseln. Wichtig ist, dass Sitzgelegenheiten nicht so angeordnet sind, dass sie den Flugraum zerschneiden oder permanent verschmutzt werden.

Natürliche Materialien wie Äste oder Steine werden in der Regel besser angenommen als künstliche Konstruktionen. Gleichzeitig sollten alle Elemente stabil befestigt und regelmäßig kontrolliert werden.

Wetter- und Windschutz

Der Außenbereich muss vor extremen Witterungseinflüssen geschützt sein. Windschutz spielt dabei eine ebenso große Rolle wie Regen- und Schneeschutz. Teilweise oder vollständige Überdachungen können helfen, den Flugraum ganzjährig nutzbar zu halten.

Geschlossene oder halbgeschlossene Seitenflächen sollten so gestaltet sein, dass ausreichend Licht einfallen kann, ohne dass Zugluft entsteht.

Der Flugraum der Wellivilla

Der Außenbereich der Wellivilla war 5,5 Meter lang und 3 Meter breit. Diese Proportionen ermöglichten längere Flugstrecken und eine klare Trennung zwischen Flugraum und strukturierten Zonen.


Innenansicht des Flugraums der Wellivilla.

In einer hinteren Ecke befand sich zeitweise ein kleines Experiment: der sogenannte Wellivilla-Kräutergarten. Dort wurden Wiesenschaumkraut, Löwenzahn und verschiedene Gräser aus dem Garten eingepflanzt – eine Form der Unkrautverwertung. Aufgrund der schnellen Austrocknung und der vielen kleinen Schnäbel war die Lebensdauer des Grünzeugs allerdings begrenzt.


Kräutergarten-Experiment im Flugraum.

Als Sitzgelegenheiten kamen unter anderem große, schön verzweigte Naturäste zum Einsatz, die als Fundstücke aus dem Wald stammten.


Sitzast im Außenbereich der Voliere.

Der hintere Bereich des Flugraums war mit Doppelstegplatten verkleidet. Diese boten einen guten Windschutz, ließen aber dennoch viel Licht in die Voliere. Zusätzlich gab es eine sogenannte Notfalltür, die immer dann genutzt wurde, wenn sperrige Gegenstände in die Voliere gebracht werden mussten. In solchen Fällen blieben die Vögel vorübergehend im Schutzhaus.


Rückseite des Flugraums mit Doppelstegplatten und Notfalltür.

Nach späteren Umbauten bestand schließlich das komplette Dach aus Doppelstegplatten. Zuvor hatte es im hinteren Teil lediglich ein etwa drei mal drei Meter großes Sonnendach gegeben.


Sonnendach im hinteren Bereich der Voliere.

Der Volierendraht war von innen angetackert. Als zusätzliche Verkleidung kamen zunächst Holzlatten zum Einsatz, die jedoch im Laufe der Zeit stark unter den nagefreudigen Schnäbeln litten. Später wurde auf Lochblech umgestellt – eine Lösung, die sich deutlich besser bewährte.


Volierendraht mit Lochblech-Verkleidung.

Auch mit Begrünung experimentierte ich, unter anderem mit Rollrasen. Die Idee war reizvoll, die Praxis jedoch nach nicht allzu langer Zeit ernüchternd – übrig blieben vor allem Erinnerungen und Fotos.


Rollrasen-Experiment im Flugraum.

Eine niedrige Steinmauer trennte verschiedene Bodenbereiche voneinander. Sie war bewusst so angelegt, dass die Wellensittiche sie auch zu Fuß überwinden konnten – kletternd und hüpfend.


Abtrennung von Wiesen- und Sandbereich durch eine niedrige Steinmauer.

Fazit: Raum, Licht und Struktur

Der Außenbereich einer Voliere muss vor allem eines bieten: Raum. In Kombination mit Licht, Windschutz und sinnvoller Struktur entsteht ein Lebensraum, der Bewegung ermöglicht und gleichzeitig Sicherheit bietet.

Die Erfahrungen mit dem Flugraum der Wellivilla haben gezeigt, dass nicht jedes Experiment dauerhaft funktioniert – wohl aber eine klare Grundstruktur, die sich flexibel anpassen lässt.

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