Wissen rund um Wellensittiche in der Außenvoliere

Eine Außenvoliere zu bauen ist das eine. Irgendwann kommen Themen auf, über die man sich anfangs wenig Gedanken macht: Was passiert, wenn Wohnungsvögel nach draußen ziehen? Vertragen sich wirklich alle Arten „irgendwie“? Und warum fangen Hennen plötzlich an, Eier an die absurdesten Orte zu legen, obwohl man doch gar nichts dafür getan hat?

Viele dieser Fragen entstehen nicht bei der Planung, sondern mitten im Alltag. Manche habe ich mir selbst erst gestellt, als ich schon längst mittendrin war. Andere sind klassische Fehler, die man mit ein bisschen Vorwissen sehr elegant vermeiden kann. Genau darum geht es hier: um Erfahrungen, Beobachtungen und Dinge, die man lieber vorher weiß, bevor man sie später mühsam wieder rückgängig machen muss.

Wellensittiche aus der Wohnung in die Außenvoliere umsiedeln

Vielleicht bist du hier gelandet, weil dein Wellensittich aus der Wohnungshaltung in eine Außenvoliere ziehen soll. In den Jahren, als ich noch aktiv Vögel aufgenommen habe, wurde ich mit Anfragen zeitweise überhäuft. Nun, ein Zuhause für deinen Vogel kann ich dir nicht mehr bieten, dir aber Tipps geben, was du bedenken und worauf du achten solltest.

Der erste Schritt ist immer die ehrliche Prüfung, ob der jeweilige Vogel grundsätzlich für die Haltung in einer Außenvoliere geeignet ist. Alter, Gesundheitszustand und Flugfähigkeit spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Passt die Voliere wirklich?

Spricht nichts gegen die Außenhaltung, sollte man sich das künftige Zuhause sehr genau ansehen.

Der Satz „Dein Wellensittich kann gern in meiner Voliere wohnen“ klingt zunächst sehr verlockend. Das Paradies wartet! Oder? Leider ist nicht jede Voliere automatisch auch eine gute Voliere.

Wer Wert darauf legt, dass es dem eigenen Vogel langfristig gut geht, sollte unter anderem folgende Punkte kritisch prüfen:

  • Ist die Voliere ausreichend groß?
  • Gibt es ein Schutzhaus?
  • Macht die Voliere einen gepflegten Eindruck oder liegt Schmutz fingerdick?
  • Leben andere Vogelarten in der Voliere – und wenn ja, sind sie überhaupt wellensittich-kompatibel?
  • Wirkt der Volierenbesitzer verantwortungsvoll und zugewandt?
  • Wird gezüchtet? Wenn ja: mit welcher Zielsetzung?
  • Werden Vögel weitergegeben oder bleiben sie bis zu ihrem Tod?

Gerade der letzte Punkt wird oft unterschätzt, ist aber für das langfristige Wohlergehen des Vogels nicht unwichtig.

Die richtige Jahreszeit für den Umzug

Ist die Entscheidung für die Außenvoliere gefallen, spielt der Zeitpunkt des Umzugs eine zentrale Rolle. Ein Wellensittich aus Wohnungshaltung darf weder zu früh noch zu spät im Jahr in eine Außenvoliere gesetzt werden.

Starke Temperaturunterschiede belasten das Immunsystem erheblich. Gerät der Vogel in dieser Phase in eine Erkältung oder schwächt sich anderweitig, kann er den Bedingungen im Freien schnell nicht mehr gewachsen sein.

Ich habe neue Wellensittiche grundsätzlich nicht vor Mai in die Voliere gesetzt. Die Temperaturen sollten sich stabil bei etwa 18 bis 20 °C eingependelt haben, und die letzten Nachtfröste müssen sicher vorbei sein.

Dabei bleibt immer ein gewisser Spielraum für Bauchgefühl. Im Zweifel habe ich lieber zwei Wochen länger gewartet als zu früh umzusiedeln.

Herbst und Winter

Im Herbst endet die Saison für Neuzugänge. Auch hier hängt vieles vom Wetterverlauf des Sommers und den zu erwartenden Temperaturen ab.

Manche Jahre bringen bereits im September sehr kühle Nächte nahe dem Gefrierpunkt. In solchen Fällen sollten neue Wellensittiche erst im folgenden Frühjahr in die Außenvoliere einziehen.

Selbst ein angekündigter Altweibersommer ändert für mich nichts daran: Ab September ist die verbleibende Zeit schlicht zu knapp, damit sich ein Wohnungsvogel noch ausreichend an die neuen Bedingungen anpassen kann.

Hast du einen Volierenbesitzer aufgetan, der deinen Wellensittich trotzdem aufnehmen würde? Dann schau noch mal genau hin.

Gesundheits-Check vor dem Einzug

Bevor ein neuer Wellensittich in einen bestehenden Schwarm integriert wird, muss unbedingt sichergestellt sein, dass er keine ansteckenden Krankheiten mitbringt.

Ein Besuch bei einem vogelkundigen Tierarzt sollte daher selbstverständlich sein. Dazu gehören unter anderem Kotuntersuchungen und ein Kropfabstrich.

Viele ernsthafte und teils hoch ansteckende Erkrankungen sind im Anfangsstadium äußerlich nicht erkennbar. Der Vogel wirkt gesund, frisst normal und zeigt keinerlei Symptome.

Bricht eine solche Krankheit erst Monate später aus, kann der Vogel bereits mehrere Artgenossen infiziert haben – im schlimmsten Fall den gesamten Bestand.

Ich habe es damals so gehandhabt, dass eine solche Untersuchung mit Nachweis Voraussetzung für eine Aufnahme war. Ich sehe hier den Vogelbesitzer in der Pflicht, die Kosten zu tragen. Es ist dein Tier, du wolltest es haben, jetzt willst du es abgeben – dann sollte es selbstverständlich sein, dass du sicher stellst, dass dein Vogel gesund ist und seine zukünftigen Kumpels nicht mit einer Krankheit ansteckt.

Fazit

Die Umsiedlung eines Wellensittichs aus der Wohnung in eine Außenvoliere ist kein spontaner Schritt. Sie erfordert Planung, Geduld und die Bereitschaft, im Zweifel auch einmal „nein“ zu sagen – von beiden Seiten.

Wenn du alle Gegebenheiten sorgfältig vorab prüfst, schaffst du gute Voraussetzungen dafür, dass dein Vogel langfristig und stabil in der Außenvoliere leben kann.

Alter und bisherige Haltung

Sehr alte Vögel, die ausschließlich Wohnungshaltung kennen, würde ich nicht neu in eine Außenvoliere setzen. Als grobe Orientierung sehe ich ein Alter von etwa sieben bis acht Jahren – immer abhängig vom allgemeinen Gesundheitszustand.

Die Umstellung von Wohnungshaltung auf ganzjährige Außenhaltung kann für ältere Vögel zu belastend sein. Das Risiko, dass sie ihren ersten Winter im Freien nicht gut überstehen, würde ich persönlich nicht eingehen.

Gesundheitszustand

Auch Wellensittiche, die gerade eine schwere Krankheit überstanden haben, sollten nicht unmittelbar in eine Außenvoliere umziehen. Ist eine Erkrankung vollständig ausgeheilt und der Vogel wieder absolut fit, spricht grundsätzlich nichts dagegen.

Anders sieht es bei chronisch kranken Vögeln aus. Unabhängig von der Haltungsform halte ich es für problematisch, chronisch kranke Tiere mit gesunden zusammenzusetzen – es sei denn, es handelt sich eindeutig um eine nicht übertragbare Erkrankung.

Flugfähigkeit

Komplett flugunfähige Wellensittiche halte ich ebenfalls nicht für volierentauglich. Außenvolieren haben in der Regel eine Höhe von etwa zwei Metern, und die Sitzgelegenheiten befinden sich entsprechend weit oben.

Stürzt ein flugunfähiger Vogel aus dieser Höhe ab, besteht ein erhebliches Verletzungsrisiko. Dieses Risiko lässt sich in einer Außenvoliere kaum zuverlässig ausschließen.

Zahme und einzeln gehaltene Wellensittiche

Häufig wird auch gefragt, wie es mit sehr zahmen oder lange einzeln gehaltenen Wellensittichen aussieht. Hier habe ich grundsätzlich keine Bedenken.

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass auch stark menschenbezogene, fehlgeprägte oder verhaltensauffällige Wellensittiche nach einer Eingewöhnungsphase ganz normales „wellensittisches“ Verhalten entwickeln können. Die vielen Artgenossen helfen dabei enorm und machen den anfänglichen Verlust des Menschen als Bezugspunkt schnell wett.

Ein persönlicher Ausnahmefall

Meine kleine Blue war ein Ausnahmevogel. Ich hatte sie und einige andere Wellensittiche zunächst in der Wohnung gehalten, und sie war ohne jedes Zutun praktisch sofort zahm.

Im Gegensatz zu allen anderen zahmen Wellensittichen, die ich im Laufe der Jahre aufgenommen habe, verlor sie diese Zahmheit nie. Sie kam immer angeflogen – und das, obwohl sie keineswegs fehlgeprägt war und einen festen Partner hatte.

Ich werde sie niemals vergessen.

Bleibt ein Wellensittich zahm?

Beschäftigt sich der Volierenhalter nicht weiter mit einem zahmen Vogel, wird dieser seine Zahmheit in der Regel verlieren. Wer das als negativ empfindet, sollte bedenken, dass natürliches, arteigenes Verhalten wichtiger ist als Zahmheit.

Übermäßig zahme Wellensittiche, die anfangs mehr Interesse an mir als an ihren Artgenossen zeigten, habe ich bewusst in Ruhe gelassen und nicht auf ihre Annäherungsversuche reagiert. Das erleichtert die Eingewöhnung und fördert die Annäherung an die künftigen Schwarmgefährten.

Fazit

Nicht jeder Wellensittich ist für die Außenvoliere geeignet. Alter, Gesundheitszustand, Flugfähigkeit und bisherige Haltung spielen eine entscheidende Rolle.

Wer diese Faktoren ehrlich prüft und im Zweifel zugunsten des Vogels entscheidet, schafft die besten Voraussetzungen für eine verantwortungsvolle und langfristig stabile Außenhaltung.

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