Tatsächlich ist der Rollrasen auch angewachsen. In den ersten Monaten sah die Voliere entsprechend idyllisch aus, und auch die Reinigung funktionierte überraschend gut. Durch die Beregnungsanlage wurde ein Großteil des Vogelkots weggespült, zusätzlich habe ich die Wiese regelmäßig per Hand geschnitten – Rasenmäher und Voliere schließen sich naturgemäß aus.
Genutzt wurde der Rasen von den Wellensittichen allerdings kaum. Gras stand deutlich hinter Hirse und anderen Futterquellen zurück. Der eigentliche Nutzen lag also eher in der Optik und im natürlichen Eindruck als in der Beschäftigung der Vögel.
Langfristig scheiterte der Rollrasen dennoch. Vermutlich habe ich zu wenig bewässert, möglicherweise spielte auch die starke Beanspruchung durch Kot, Trittschäden und die eingeschränkte Regeneration eine Rolle. Spätestens über den Winter war die Wiese in jedem Versuch hinüber.
Wiese aus Grassamen
Neben Rollrasen habe ich auch mehrfach Grassamen ausgesät. Auch hier zeigte sich zunächst ein positives Ergebnis: Die Fläche begrünete, wirkte lebendig und natürlich.
Das grundsätzliche Problem blieb jedoch dasselbe. In einer Voliere treffen mehrere ungünstige Faktoren zusammen: hohe Nährstoffbelastung durch Kot, begrenzte Bodenaktivität, punktuelle Verdichtung und eine intensive Nutzung. Ohne kontinuierliche Nachsaat, gezielte Bewässerung und sehr viel Pflege ist eine dauerhaft stabile Wiese kaum zu halten.
In allen meinen Versuchen war die Wiese spätestens nach dem Winter zerstört. Frost, Nässe und fehlende Regeneration setzten dem Grün nachhaltig zu.
Kräutergarten statt Vollbegrünung
Deutlich praktikabler erwies sich eine begrenzte, klar abgegrenzte Begrünung. In der Wellivilla gab es eine kleine Ecke, die mit Steinen abgetrennt war und gezielt als Kräuter- und Grünbereich diente.
Dort habe ich regelmäßig geeignete Pflanzen aus dem Garten eingesetzt, unter anderem Löwenzahn, Vogelmiere, Wiesenschaumkraut und andere Wildkräuter, die Wellensittiche fressen dürfen. Ergänzend habe ich dort auch immer wieder kleine Flächen mit Grassamen oder Kresse eingesät.
Der große Vorteil dieser Lösung liegt in der Kontrolle. Die Fläche ist überschaubar, lässt sich gezielt pflegen und bei Bedarf komplett erneuern, ohne dass gleich der gesamte Volierenboden betroffen ist.
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Geeignete Pflanzen und Sicherheit
Wer seine Außenvoliere begrünen möchte, sollte sich unbedingt vorab informieren, welche Pflanzen für Wellensittiche geeignet sind. Viele Gartenpflanzen sind giftig oder zumindest problematisch, insbesondere Zierpflanzen.
Geeignet sind zum Beispiel:
- Löwenzahn (Taraxacum officinale)*
Eignet sich hervorragend als robuste Begrünung, die von selbst wiederkommt. Wächst zügig aus der Rosette nach und verträgt sowohl Sonne als auch Halbschatten. Da er tiefe Pfahlwurzeln bildet, eignet er sich eher für Blumenkübel in der Voliere. Bekanntermaßen ist er sehr ausbreitungsfreudig. Wenn er nicht überall auftauchen soll, musst du verblühte Köpfe entfernen.
- Vogelmiere (Stellaria media)*
Bildet einen dichten, weichen Teppich, der den Boden schnell bedeckt und feucht hält. Sehr schnellwachsend, extrem regenerationsfähig und ideal als dauerhafte, niedrige Begrünung. Braucht etwas Feuchtigkeit; in sehr trockenen Sommern zieht sie sich zurück, kommt aber zuverlässig wieder.
- Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis)*
Geeignet für leicht feuchtere Bereiche und bringt mit den Blüten zusätzlich Struktur in die Fläche. Wächst moderat schnell und ist winterhart sowie ausdauernd. Wichtig ist ein nicht zu trockener Boden; in sehr trockenen Lagen verschwindet es sonst nach einiger Zeit.
- Grüne Gartenmelde (Atriplex hortensis)*
Wächst sehr schnell in die Höhe und liefert viel Blattmasse in kurzer Zeit; ideal, wenn zügig Begrünung und Deckung entstehen soll. Anspruchslos gegenüber Boden, verträgt Sonne gut. Muss gelegentlich zurückgeschnitten werden, da sie sonst andere Pflanzen überwächst; sät sich zudem gern selbst aus.
- Kresse (Lepidium sativum)*
Extrem schnell keimend und innerhalb weniger Tage flächig vorhanden; perfekt, um kahle Stellen kurzfristig zu begrünen. Nicht ausdauernd, sondern eher als Lückenfüller oder zur Nachsaat gedacht. Braucht Feuchtigkeit zum Keimen; bei Trockenheit verschwindet sie rasch wieder.
Auch hier gilt: Sauberkeit ist entscheidend. Lebendiges Grün in der Voliere muss regelmäßig kontrolliert, gegebenenfalls zurückgeschnitten oder ersetzt werden. Verschmutzte oder faulende Pflanzen sollten umgehend entfernt werden.
Blumenkästen als Alternative für Grün in der Außenvoliere
Eine einfache und flexible Alternative sind Blumenkästen oder Pflanzschalen. Darin kann gezielt Wellensittich-Futter ausgesät werden, das schnell wächst und ebenso schnell ersetzt werden kann, wenn es abgefressen oder verschmutzt ist.
Diese Lösung ist besonders alltagstauglich, da sie wenig Umbau erfordert, gut kontrollierbar ist und jederzeit ausgetauscht werden kann.
Fazit
Eine vollständig begrünte Außenvoliere ist möglich, aber dauerhaft nur mit hohem Pflegeaufwand zu erhalten. Rollrasen und eingesäte Wiesen können zeitweise gut funktionieren, sind jedoch anfällig und oft nicht winterfest.
Bewährt haben sich kleinere, gezielt angelegte Grünbereiche oder mobile Lösungen wie Kräuterecken und Blumenkästen. Sie verbinden natürlichen Eindruck mit realistischer Pflege und lassen sich flexibel anpassen.
Wer experimentierfreudig ist, kann mit Begrünung viel ausprobieren – sollte aber damit rechnen, dass nicht jeder Versuch von Dauer ist.