Die Wellivilla – Geschichten, Experimente und ein bisschen Wahnsinn

Hier geht es um das, was passiert, wenn Begeisterung, Tatendrang und ein kleines Maß an Selbstüberschätzung aufeinandertreffen. Die Wellivilla war über viele Jahre mein großes Projekt, mein Spielplatz für Ideen – und manchmal auch für ziemlich absurde Einfälle. (Stichwort: Felswand. Sah großartig aus. War es nicht.)

In diesem Bereich findest du die Entstehung, die Erweiterungen, die Renovierungen und all die kleinen und großen Experimente, die aus einer einfachen Außenvoliere nach und nach ein sehr persönliches Stück Garten, Herzblut und Lernkurve gemacht haben. Vieles davon würde ich heute anders machen. Vieles würde ich genau so wieder tun, hätte mein Leben nicht eine andere Richtung genommen. .

Silvi versucht, eine künstliche Felswand für ihre Voliere zu bauen

Eine Felswand selbst bauen

Manchmal entstehen die aufwändigsten Projekte aus einer Mischung aus Größenwahn, Optimismus und einem Moment völliger geistiger Umnachtung. Die Felswand für die Wellivilla war so ein Fall.

Wenn du eine Anleitung suchst, bist du hier falsch. Wenn du dich amüsieren möchtest und aus meinen Erfahrungen lernen willst, wie es NICHT geht, lies weiter.

05. April 2010 – Die Idee

„Ich bau mir ein Schloss – so wie im Märchen … Ich bau mir eine Felswand – so wie in Australien …“

Leicht zu singen, schwer umzusetzen. Wie ich auf die Idee kam, eine künstliche Felswand mit Wasserfall und Mini-See zu bauen, weiß ich heute selbst nicht mehr genau. Künstliche Felsen kannte ich bis dahin eigentlich nur aus Freizeitparks oder aus der Terraristik.

Wie das funktionieren sollte? Keine Ahnung. Aber Optimismus gehört bekanntlich in jeden Werkzeugkoffer.

Fest stand: Die Wellivilla sollte eine Felswand bekommen – mit Wasserfall, kleinem See und möglichst australischer Anmutung. Dass ich noch nie in Australien war und eigentlich gar nicht so genau wusste, was "australisch" ist, störte nicht weiter. Meine Wellensittiche kannten Australien schließlich auch nicht.

Material, Planung und Chaos

Die Planung begann im Kopf bereits im November. Den März nutzte ich, um Material zu besorgen: Styropor (reichlich vorhanden von einer Fassadendämmung), Bauschaum, Silikon, Teppichmesser. Grob schätzte ich Breite, Höhe und die mögliche Größe des Sees ab.

Die folgenden Tage verbrachte ich damit, Styroporplatten zu schneiden, mit Silikon zu verkleben und sie mit roher Gewalt zu „modellieren“. Kurze Fingernägel waren dabei eindeutig von Vorteil.

Ein kurzer Versuch mit dem Lötkolben brachte keine echte Verbesserung, aber immerhin eine Erkenntnis: Styroporkügelchen kleben an angefeuchteten Händen deutlich weniger hartnäckig.

Mit Bauschaum erhielt das Ganze zusätzliche Stabilität und erste Felsstrukturen. Wirklich felsig sah das allerdings noch nicht aus, weshalb ich anschließend mit dem Teppichmesser recht wild herumschnitzte.

In der Entstehung: Felswand aus Styropor und Bauschaum.
Rohbau der Felswand – das gelbe Material ist Bauschaum.

Auf dem Boden lag bereits der künftige See, gefertigt aus Styrodur wegen der höheren Festigkeit. Wie das Ganze am Ende aussehen sollte, konnte ich mir zu diesem Zeitpunkt selbst kaum vorstellen.

17. April 2010 – Form bekommt Charakter

Das Wetter spielte mit, und so ging es zügig weiter. Nach mehreren Tagen Modellierarbeit begann das Konstrukt endlich weniger nach Styropor und mehr nach Stein auszusehen.

Der See wurde weiter ausgearbeitet und für den Auftrag von flexiblem Fliesenkleber vorbereitet. Es folgte eine Phase intensiver Matscherei – der See, die Felswand und ich selbst waren zeitweise gleichermaßen bedeckt.

Der See durfte anschließend trocknen. Bereits im halbtrockenen Zustand sah er erstaunlich gut aus – zumindest aus meiner Perspektive.

21. April 2010 – Harz, Sand und Hoffnung

Der See war nahezu fertig. Ich trug Epoxidharz auf und bestreute die Oberfläche abwechselnd mit Papageiensand und rotem, australischem Sand. Optisch überzeugend, zumindest für jemanden mit sehr wohlwollendem Blick.

Zur Sicherheit plante ich im Nassbereich noch eine zusätzliche Harzschicht. Auch die Felswand war inzwischen vollständig mit Fliesenkleber überzogen. Kleinere Risse mussten noch ausgebessert werden, bevor auch hier das Harz folgen konnte.

29. April 2010 – Fast fertig

Vor den letzten Harzschichten mussten noch einzelne Risse mit Dichtungsschlämme geschlossen werden. Diese hellen Stellen störten zwar die Optik, waren aber notwendig.

Fast fertige künstliche Felswand nach Ausbesserungsarbeiten.

Auch die Felswand bekam ihre „australische“ Sandoptik.

Das Gesamtergebnis könnt ihr nach wie vor auf Youtube sehen:

Frühjahr 2011 – Das bittere Ende

Ich mag es kaum schreiben: Der Bau der Felswand war unglaublich viel Arbeit.

Und trotzdem musste ich sie nach nur einem Jahr wieder entfernen. Über den Winter hatte ein Wellensittich-Weibchen beschlossen, um jeden Preis zu brüten. Da ich keine Nistmöglichkeiten anbot, arbeitete sie sich kurzerhand durch die Felswand.

Bemerkt habe ich das erst, als immer mehr Styroporkügelchen durch die Voliere flogen. Die Felswand war inzwischen fast komplett hohl und hätte die Wasserlast des Sees nicht mehr tragen können.

Fazit: Lehrgeld bezahlt

Die Felswand war ein spannendes Projekt, optisch gelungen und handwerklich lehrreich – aber in dieser Form nicht dauerhaft praxistauglich.

Sollte ich jemals wieder auf die bescheuerte Idee kommen, eine künstliche Felswand für eine Voliere zu bauen, dann nur noch aus GFK.
(Aber ich glaube, in diesem Leben nicht mehr.)

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