Rückblick – und warum die Wellivilla heute nicht mehr existiert
Als die Wellivilla entstand, war ich Anfang zwanzig. Voller Tatendrang, nicht immer vernünftig, aber immer mit Begeisterung, Neugier und sehr viel Liebe bei der Sache. Ich wollte es richtig machen, hatte große Pläne, noch größere Ideen – und habe vieles einfach ausprobiert.
Nicht alles davon würde ich heute wieder so machen. Aber genau darin liegt der Wert dieser Zeit.
Vom Machen, Lernen und Korrigieren
Die Wellivilla war über Jahre ein lebendiges Projekt. Sie wuchs, wurde erweitert, umgebaut, renoviert, verschönert – und manchmal auch verkompliziert. Über fast acht Jahre hinweg beherbergte sie einen Artenmix, mit dem ich selbst irgendwann nicht mehr ganz glücklich war.
Rückblickend weiß ich heute ziemlich genau, wie es dazu kam: eigene Unüberlegtheit, teilweise Unwissen, und nicht zuletzt das Vertrauen auf Aussagen von Züchtern. Sätze wie „Das klappt schon“ haben sich erstaunlich hartnäckig gehalten.
Geklappt hat es am Ende auch. Davon bin ich überzeugt. Aber ebenso überzeugt bin ich davon, dass es nur am großzügigen Platzangebot lag – nicht daran, dass die Kombination aus Wellensittichen, Kanarienvögeln, Ziegensittichen, Singsittichen und Zebrafinken grundsätzlich eine gute Idee gewesen wäre.
Empfohlen habe ich diese Kombination schon damals nicht. Und heute erst recht nicht.
Der leise Wandel zum Tierschutz
Meine ersten ernsthaften Gehversuche als das, was Hater gerne eine „Tierschutz-Uschi“ nennen, begannen spätestens 2006. In diesem Jahr habe ich die Hobby-Zucht beendet und mich bewusst dafür entschieden, nur noch Abgabevögel aufzunehmen.
Es gibt so viele Wellensittiche, die niemand mehr haben möchte. Freie Plätze mit selbst produzierten Küken zu füllen, fühlte sich irgendwann nicht mehr richtig an. Mein letzter Wellensittich-Nachwuchs stammt aus dem Jahr 2006.
Seitdem war der Tierschutzgedanke stärker als mein Egoismus (denn die kleinen hässlichen Vogelkinder entzückten mich natürlich weiterhin).
Wenn sich Prioritäten verschieben
Irgendwann zog Hund Nummer drei bei uns ein. Und mit ihm kam langsam die Erkenntnis, dass sich meine Prioritäten verschoben hatten.
Mir wurde klar, dass ich nicht allem gleichzeitig gerecht werden konnte. Und dass es niemandem nützt, wenn man versucht, alles festzuhalten, obwohl sich das eigene Leben verändert hat.
Damit niemand zu kurz kommt, zogen die letzten verbliebenen Wellensittiche schließlich in eine andere, gute Außenvoliere um. Die Wellivilla wurde abgebaut.
Heute leben mein Mann und ich unseren Tierschutzgedanken an anderer Stelle weiter – indem wir so viele Hunde aus Rumänien adoptieren, wie wir können. Wer uns folgen möchte, findet uns unter "Pfoten-Chaoten" unter anderem bei Facebook.
Und heute?
Ob ich die kleinen Scheißer manchmal vermisse?
Ja.
Mein Herz schlägt immer noch höher, wenn ich Wellensittiche sehe. Die Fotos aus der Wellivilla schaue ich mir bis heute mit einem wehmütigen Lächeln an.
Ich bin stolz darauf, ein Urgestein der Welli-Community zu sein – oder gewesen zu sein. Und darauf, einen kleinen Beitrag dazu geleistet zu haben, dass sich im deutschsprachigen Raum in Sachen artgerechter Haltung etwas bewegt hat.
Dass der einzeln gehaltene Wellensittich im winzigen Käfig heute nicht mehr ganz so selbstverständlich ist wie früher.
Die Wellivilla existiert nicht mehr. Der Spirit lebt weiter.